Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan ...



Vertrauen



Vor mehr als 15.000 Jahren gingen Mensch und Wolf eine Zweckgemeinschaft ein. Daß der Mensch - wie immer - dabei mehr profitierte, störte den Wolf nicht. Er entwickelte sich sogar zum Hund, weil er dem Menschen so am nützlichsten war. Und in dieser Form tat er dann jahrtausendelang alles das, was der Mensch nicht leisten konnte oder wollte, weil er zu schwach, zu langsam, zu verletzlich oder einfach zu bequem war. Der Hund hütete und schützte die Herden - ohne ihn wären große Herden überhaupt nicht möglich gewesen. Dafür durfte er dann nachts das Hab und Gut seiner Besitzer bewachen. Er jagte, zeigte das Wild an, apportierte es. Dafür bekam er die Abfälle. Er schützte mit seinem Körper die Soldaten im Altertum. Er kämpfte gegen seine Artgenossen und andere Tiere, um den Menschen zu belustigen und ihm Geld einzubringen. Er zog schwere Lasten, trug und beschützte die Geldbörsen der Händler und diese selbst vor Dieben. Dafür durfte er unter der Treppe schlafen. Er rettet Menschen aus Lawinen. Dafür setzte man ihm ein Denkmal. Er holt Netze ein, indem er ins eiskalte Wasser springt. Er rettet Menschen, die verschüttet in Trümmern liegen oder orientierungslos umherirren und die ohne ihn sterben würden. Er erkennt epileptische Anfälle, ehe der Kranke sie spürt. Er ist Tröster und Helfer für Behinderte. Er geht im Altersheim von Rollstuhl zu Rollstuhl, von Bett zu Bett und bringt den Menschen, die von ihren Verwandten lieber vergessen werden, etwas Abwechslung und Frohsinn. Dafür wird er lobend in der Zeitung erwähnt. In Notzeiten kann man ihn sogar essen.

Aber der Hund hat Bedürfnisse, nicht nur körperliche. Und wenn die psychischen Bedürfnisse eines Hundes nicht erfüllt werden, geht es ihm wie dem Menschen: Er wird zum seelischen Krüppel. Das wird über aller Vermenschlichung der Hunde oft vergessen. Und das mindeste, was wir dem Hund zurückgeben können, ist doch ein Eingehen auf seine Bedürfnisse. Er möchte eine Autorität über sich haben. Er möchte seinen festen Platz in der Familie. Er möchte mit seinem Rudel leben, nicht im Zwinger, im Garten oder an der Kette. Er möchte Beschäftigung, denn dafür hat der Mensch ihn gezüchtet. Ist das so schwer zu erfüllen?

Muß eine ganze Art ausgerottet werden, bloß weil der Mensch einige Individuen zu seelischen Krüppeln gemacht hat?

Der Hund gehört einer bestimmten Rasse an. Dafür wird er getötet.


.... der Mohr kann gehen.



Zurück